Montag, 19. März 2007

Ein Nachtrag

Mit Erstaunen musste ich vor kurzem feststellen das es nicht nur Menschen gibt die hier ab und zu mal etwas lesen. Nein, es kommt sogar noch schlimmer, sie machen sich sogar Gedanken über das was sie gelesen haben. Eine unglaubliche Steigerung des Selbstwertgefühls.
Der folgende Text stammt nicht von mir, sondern von Moebius aus dem DSA4-Forum:
Die Plenumsdiktatur (heißt es Plenardiktatur? Egal, ist spät). (Ähnlichkeiten mit der parlamentarischen Demokratie nicht auszuschließen)
Ich bin zum SL "gewählt" worden, weil ich die Regeln am besten kenne (am Anfang kannte ich sie als einziger, außerdem habe ich die Gruppe gegründet, also kann man nicht von einer Wahl sprechen... aber das Prinzip passt mE trotzdem). Auf jeden Fall ist mein Wort wie in jeder guten Diktatur Gesetz - solange ich es begründen kann. Sollte meiner Entscheidung widersprochen werden und ich kann sie nicht argumentativ verteidigen (und da muss ich mit Ingame-Logik argumentieren, Verweis auf die Regelwerke nützt nicht), muss ich sie revidieren - oder meine Machtposition wäre früher oder später gefährdet. Einige der Leute haben in einer anderen Gruppe schon mal beinahe einen Meister abgesetzt...

Ergo: Ich behalte meinen Job, solange ich die Spieler einigermaßen zufriedenstellen kann. Solange habe ich auch durchaus einen großen Ermessensspielraum. Nutze ich den nicht mehr sinnvoll, werde ich abgesägt. Erinnert an unser politisches System, oder? *g*
Ein solcher Mehrheitsdiktator ist wahrscheinlich sogar wesentlich häufiger zu finden als ein Diktator in Reinform. Vielen Dank an Moebius für den netten Leserbrief und das Addendum.

1 Kommentar:

Nightcrawler hat gesagt…

Das möchte ich meinen. Ein Diktator ist nur solange Diktator, wie er genügend Leute hinter sich hat, die es toll finden, dass er diktiert. Dazu kommt dann noch die breite Masse, die das ganze entweder nicht so schlimm findet oder aber zu viel Angst vor der Regierung hat und sich deshalb in Ohnmacht befindet. Doch diese Angst kann nie von nur einer Person erzeugt werden, sondern geht immer von einem gesamten Staatsapparat aus.
Zurück zum Rollenspiel:
Hier dürfte eine Diktatur in gewissem Maße das einzig sinnvolle sein (bei den meisten Systemen), denn so funktioniert die Idee mit dem Spielleiter nunmal. Seien wir froh, dass er nicht "Storyteller von Gottes Gnaden".
Wie schon erwähnt, handelt es sich dabei um eine Mehrheitsdiktatur, in der der Anführer seine Leute bei Laune halten muss. Aber ist nicht genau das das Ziel des Spielleiters? Wenn ein Leiter seine Gruppe nicht unterhalten kann und sie ständig unzufrieden mit dem Verlauf der Geschichte ist, ist es vielleicht besser, wenn er gestürzt wird und ein anderer Despot den Thron erklimmt. Schade ist es nur, wenn das Volk es für nötig hält, den Kopf ihres früheren Führers auf einer Lanze umherzutragen und die Gruppe nachher um ein Mitglied ärmer ist. Denn RS-Gruppen haben dann halt doch weniger Bewohner als Staaten, da kommt es noch auf das Individuum an. (Zugegeben, bei einigen passiven Mitspielern fällt es nicht so auf, aber die werden auch selten SL)
Es kann natürlich auch sein, dass die Spieler dem SL unrecht tun und Verhältnisse fordern - wie zum Beispiel übermäßigen Realismus - die nicht ohne einen Master in Japanologie, Germanistik, Quantenphysik und Demenz zu schaffen sind. Das hat dann aber nur noch bedingt mit dem Spielrunde an sich zu tun, dann sollten die Spieler vielleicht einfach mal ihre allgemeine Sicht eines Rollenspiels, des Geschichten erzählens und der Welt an sich überdenken.
Vielleicht hilft es auch, wenn einfach mal jedes Mitglied eines Teams ein mal eine Runde leiten muss, damit sie spüren, welche Herausforderung es ist, kulturelle Besonderheiten, historische Merkmale, physikalische Gesetze, die Kontinuität der Geschichte, den geplanten Handlungsverlauf und die Regeln der Dramatik im Hinterkopf zu behalten. Der ein oder andere dürfte sich davon vielleicht belehren lassen. Und falls nicht, kann man seinen Kopf ja immer noch auf einer Lanze dahertragen.