Deutsche Sprache schwere Sprache, denkt sich jetzt vielleicht einer bei dem Titel.
Mitnichten, die deutsche Sprache ist nur unfähig das wiederzugeben was die englische Bezeichnung aussagt. Role-playing-game . Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen, Roleplaying, also Rollenspiel und game, also Spiel. Das ist im deutschen Wort Rollenspiel leider untergegangen.
Nehmen wir es einmal etwas genauer auseinander. Rollenspiel bedeutet das Spielen einer Rolle, also das Verkörpern einer anderen, meist fiktiven, Person. Es geht sogar noch weiter, Rollenspiel impliziert das man in eine künstlich geschaffene Situation geworfen wird und dort Entscheidungen treffen und nachvollziehen muss, aber nicht anhand seiner eigenen Vorstellungen sondern anhand der Werte der dargestellten Person. Das ist nicht unbedingt das was man bekommt wenn man ein kommerzielles Rollenspiel auspackt. Da sind auch noch Spielregeln drin, aber nicht Regeln wie wir sie aus der Gesellschaft kennen, zum beispiel die persönlichen Gefühle eines anderen nicht zu verletzen, sondern Regeln wie wir sie aus den Gesellschaftsspielen kennen. Diese Regeln befassen sich damit wie eine Konfliktsituation aufgelöst wird. Das einfachste Beispiel ist das Armdrücken. Es ist zwar durchaus möglich auszudiskutieren wer das Armdrücken gewinnt, aber für gewöhnlich gewinnt der Stärkere beim Armdrücken, nicht wahr ? Ich meine das ist schließlich Sinn und Zweck des Armdrückens. Nur wie findet man heraus wer stärker ist, wenn man herausfinden will welche der zu verkörpernden Personen stärker ist macht es keinen Sinn tatsächlich Armdrücken zu machen, am besten drei mal noch dazu weil wieder behauptet wird man wäre gerade abgelenkt worden. Natürlich ist es möglich extrem zu werden und zu sagen das die dargestellte Person nur das kann was man selber kann, das nennt sich dann LARP und wie typisch für einen Nerd, kann ich das nicht ausstehen, wenn ich das Material zum Drachentöter hätte, bräuchte ich keinen zu spielen.
Der traditionellste Mechanismus um dieses Problem zu lösen kommt direkt aus dem Ursprung als Gesellschaftsspiel, Würfel als Zufallselement, seltener auch Karten. Für gewöhnlich werden dafür die Literarischen Ichs bewertet, so weist man ihnen Werte für ihre Ausdauer zu, für ihre Klugheit, ihre Kenntnis von Kupferbikinis und eben häufig auch für ihre Stärke. Um die Unsicherheit des echten Lebens zu simulieren und um Spannung zu erzeugen kommt jetzt das Zufallselement ins Spiel. Es gibt auch Resourcensysteme die auf Strategie abzielen. Wenn ich jetzt 5 Punkte für das Orkabschlachten aufwende habe ich hinterher vielleicht nicht mehr genug um die böse Hexe zu töten. Hm, ich brauche ne Alternative!
Ja ja, ich weiß, dass wisst ihr schon alles, ich soll endlich mal zum Punkt kommen. Der Punkt ist eben jener, diese Konfliktlösungselemente sind der game Aspekt des Rollenspielspiels.
Vor kurzem bin ich auf jemanden gestoßen aus meiner unmittelbaren Forenumgebung der als Grundsatz für seine eigenes RPG gemacht hat: Ich will das Game aus Role-Playing-Game tilgen !
Ich konnte nur den Kopf schütteln. Rollenspiele sind ein Werkzeug aus der Psychologie und der Therapie, das hat nichts mit der Beschäftigung zu tun der wir normalerweise in unserer Freizeit nachgehen. Für mich ist das ein ganz großes no-go. Warum ? Nun, das ist relativ einfach, die Konflikt Resolution muss unbedingt ingame statt finden. Warum das denn ?
Nun in einer perfekten Welt wäre es durchaus möglich ingame-Konflikte auch outgame zu entscheiden, schließlich soll man ja in und out-game trennen. Aber unglücklicherweise leben wir nicht in einer perfekten Welt, auch Spieler sind nur Menschen. Selbst dem besten kann es passieren das ein ganz simpler ingame Konflikt plötzlich zu einem Konflikt in der wirklichen Welt wird. Und das ist viel einfacher wenn man die Konflikte Outgame löst, denn dadurch wird der Konflikt selbst nach außen getragen. Auf einmal ist es nicht mehr der Konflikt zwischen Alrik und Alrike, sondern zwischen Julia und Sebastian. Auch wenn dieser Konflikt ohne jede Grundlage ist, bringt er dennoch etwas an den Spieltisch das ich beim Rollenspiel nicht haben möchte.
Deshalb gehört das Game für mich zu einem Rollenspielabend dazu, ohne will ich nicht.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der viel damit zu tun hat, ist das alle realisieren müssen das Rollenspiel zwar toll und anspruchsvoll ist, aber in letzter Konsequenz ein Spiel, ein Zeitvertreib, ein Hobby und nichts mehr. Wenn die Diskussionen mal hitziger werden tendieren manche Spieler das zu übersehen, sie steigern sich schon fast fanatisch in die Diskussion hinein. Vor allem bei regelmäßigen Forenusern ist das zu beobachten.
Ein Rollenspiel dessen Ziel nicht Spaß für alle Teilnehmer ist, ist ein schlechtes Rollenspiel. Es geht nicht um Persönlichkeitsstudien, nicht um die Erschaffung einer perfekten Welt, das alles sind nur Mittel zum Zweck. Und der Zweck hat immer zu sein, Spaß für alle Spieler zu bieten.
Ich habe fertig.
Fürs erste zumindest.
Sonntag, 3. Dezember 2006
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2 Kommentare:
wie zu erwarten, kann ich dir natürlich nicht so einfach zustimmen. Rollenspiel kann sehr wohl ohne solch einen Regelmechanismus funktionieren, es erfordert nur halt einen anderen Spielstil.
Die Aussage, Roleplay wär für Psychologen vorbehalten, ist nun wirklich hanebüchener Unsinn, der dir da nachts eingefallen ist. Du untergräbst da nämlich grad die Essenz des Rollenspielens. Der Kernpart ist letztendlich immer noch, sich in eine komplett andere Person hineinzuversetzen und diese nachzuspielen. Regelsysteme werden hinzugefügt, um die Fairness bei einem Wettstreit aufrechtzuerhalten, denn was das spielerische RS vom psychologischen Unterscheidet, ist, dass man daraufhin keine Profile erstellen will, sondern Spaß hat.
So, jetzt hab ich langsam den Faden verloren, aber was du geschrieben hast, war auf jeden Fall nicht so ganz durchdacht. Ich glaub ja gerne, dass für dich das Würfeln zum RS gehört, aber Leute als Blöde zu bezeichnen, weil sie drauf verzichten wollen, finde ich ehrlich gesagt etwas kindisch. Schlimmer sind nun wirklich die Leute, die das Roleplay in Roleplaying game vergessen, nicht wahr? ;-)
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